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Sep
September 03, 2010
Bambi Galore, Hamburg
Official Website
Human Debris - Support for Evocation & Facebreaker

von: PMI - Peter Mildner / Legacy Oct. 2010
Datum: 03. September 2010 - Bambi Galore/Hamburg


Für die metallisch interessierten hat sich das Bambi Galore im Osten Hamburg, Billstedt genauer gesagt, über die letzten Jahre vor allem durch seine „Revolt“-Konzertreihe empfohlen. Zwar betont man stets die Underground-Orientierung als Forum für lokale und bis dato noch nicht überregional bekannte Bands, konnte aber zum Beispiel mit Demonical, Torture Killer oder Mourning Beloveth auch schon einschlägig bekannte Namen aufbieten. Mit FACEBREAKER und EVOCATION addiert man am heutigen Freitag zwei weitere Hochkaräter, die im Zuge der Pressevorstellung ihrer neuen Alben „Infected“ sowie „Apocalyptic“ auch gleich einen öffentlichen Showcase hinterherschieben. Der Zuspruch seitens der schreibenden Zunft früher am Tage war schon enorm, jetzt gilt es, auch die breitere Kaufkraft von der Qualität der neuen Songs zu überzeugen, die beide Bands ankündigen, heute Abend zum Besten zu geben.

Den Anfang macht jedoch erstmal der Local Support HUMAN DEBRIS, die mit 40 Minuten fast genauso viel Spielzeit zugesprochen bekommen, wie die später Co-Headliner. Die aus der Hamburger Umgebung stammenden Melo-Deather mit leichtem Progressiv-Einschlag haben sich bereits einen Namen in der Hansestadt erspielt und so verwundert es nicht, dass zu Anfang vorrangig der bandeigene Supporter’s Club die Stimmung anheizt. Etwas mehr Aufmerksamkeit hätte der Vierer, der ganz nebenbei SuidakrA-Gitarrist Sebastian Hintz als Klampfer und Fronter in seinen Reihen wähnt, aber schon verdient. Die Erfahrung und das stimmige Zusammenspiel merkt man ihnen an, die Jungs zocken ihr Set ohne Umschweife routiniert runter. Vor allem Drummer Ken Jentzen weiß, wie man die Schießbude zum Vibrieren bringt. Das nützt allerdings nur ihm: der Sound ist dünn und rutschig, beim Duell der Gitarren gewinnt immer der Stärkere.

Kurz vor FACEBREAKER wird der Club dann deutlich voller, nicht wenige sind dem Ruf der zwei Schweden-Combos gefolgt: mit etwa 60 bis 100 Köpfen wird das Bambi Galore seine Kapazitäten zu zwei Dritteln ausreizen. Die kleine Fläche vor der esstischgroßen Bühne ist gut gefüllt, als FACEBREAKER mit „Walking Dead“ in ihren gut dreiviertelstündigen Zombiemarsch einsteigen. Der Beginn wird vom Publikum etwas verschlafen kommentiert, mehr als Pommesgabeln und wippende Köpfe kommt erst, als FACEBREAKER mit „Slowly Rotting“ und „Burner“ mehr Gas geben. „Crushed“, laut Aussage von Gitarrist Mika Lagrén der Live-Favorit der Band, bleibt an diesem Abend der einzige Song vom Debut „Bloodred Hell“. Dafür hagelt es nun Premieren: „Night Of The Burning Dead“ erlebt trotz Hit-Charakter erst heute seine Feuertaufe On Stage und mit „Cannibalistic“ sowie „Creeping Flesh“ stellt sich gleich das Eröffnungsduo der neuen Scheibe „Infected“ vor. Circle Pits bilden sich nicht erst hier, schon seit geraumer Weile zirkulieren Körper, Kutten und Haare vor dem Podest und fast möchte man meinen, je länger FACEBREAKER rotieren, desto weiter beugt sich Frontmann Robban Karlsson über die Bühnenkante in den Pit hinein. Zum Dive kommt es nicht, dafür bietet das Quintett mit „Bloodthirst“ noch einen neuen Song sowie mit „Dead, Rotten & Hungry“ und „Devoured By Decay“ bereitwillig aufgenommenes Mosh-Material auf, bevor es heisst: Bühne frei für EVOCATION. Und die steigen gleich mit dem „Dead Calm Chaos“-Doppelpack aus Titeltrack und „Silence Sleep“ ein. Hier stimmt alles: keiner der drei Band kann man heute einen zu geringen Energielevel vorwerfen, dazu sind EVOCATION noch mit dem klarsten Sound an diesem Abend gesegnet. Jedes Fill sitzt, jedes Riff brät und jedes Solo fräst sich zwischen die Hirnlappen.

Anders als ihre Labelkollegen stellen EVOCATION ihre Setlist mit Blick auf ein ausgewogenes Verhältnis des gesamten Backkatalogs zusammen: nach „The Dead“ und „Tomorrow Has No Sunrise“ gaht es mit „The Ancient Gate“ sogar in 1992er Demozeiten zurück. Aus diesem Jahr stammt zwar auch „Veils Were Blown“, ist aber wie „Feed The Fire“ wohl eher vom Debut geläufig. Zusammen in die Menge gefeuert und von selbiger abgefeiert täuschen sie trotzdem über ein Problem nicht hinweg: im Verlauf des Gigs haben EVOCATION mit Publikumsschwund zu kämpfen, die Reihen lichten sich ob der schweißtreibenden Show FACEBREAKERs. Wer sich jetzt schon nach draussen verabschiedet, hat Pech, besser machen es die gen angrenzender Biertheke abgewanderten Zuschauer: mit neuem Material halten sich EVOCATION fast bis zum Ende zurück, erst dann erklingen in umgekehrter Albumreihenfolge „It Is All Your Fault“, Reunion In War“ und „Sweet Obsession“ in einem Fort. Nach kurzer Pause gibt es als Zugabe mit „We Are Unified Insane“ gar eine vierte Kostprobe von „Apocalyptic“, das gewohnt an letzter Position stehende „Razored To The Bone“ sorgt dann doch nochmal für Bewegung zwischen Mischpult und Mikroständer. Trotz ausgedünnter Aufmerksamkeit: die Generalprobe kann als geglückt bezeichnet werden. (PMI)